Kreuz und quer durch das Ionische Meer (September 2019)

Marina Gouvia

Die Gründe, warum jemand mit der Segelei anfängt, sind zweifellos vielfältig. Bei mir steht ganz eindeutig die Entspannung im Vordergrund, darum gefällt mir die Adria so sehr. Vor zwei Jahren waren wir vor der kroatischen Küste unterwegs, diesmal geht es weiter südlich nach Korfu. In Griechenland war ich noch nie, kenne nur die Schilderungen von Rollo Gebhard, die einen recht uneinheitlichen Eindruck vermitteln. Ausgangspunkt unserer Tour ist die moderne Marina Gouvia, in unmittelbarer Nähe zur Insel-Hauptstadt Kerkyra gelegen.

Tag 1: Marina Gouvia bis Valtou-Bucht

Albanien voraus!

Nachdem alle Vorbeitungen abgeschlossen sind, verlassen wir am 8. September zeitig morgens die Marina um zunächst in Richtung Albanien zu segeln. Nach der ersten Wende geht es dann mit sanften drei bis vier Knoten Richtung Südosten weiter, das Ionische Meer begrüßt uns drei Segler auf sehr entspannte Art. Mit der 38-Fuß-Jeanneau kommt die Crew schnell zurecht, vor zwei Jahren waren wir auf einem ähnlichen Modell unterwegs. An Backbord liegt ein dünner Streifen Griechenland und dahinter folgen die albanischen Berge. Und darauf offenbar leistungsstarke albanische Funkmasten, wie wir am Abend erschreckt feststellen: Freundlich teilt uns die albanische Telekom mit, dass für den bisherigen – recht spärlichen – Datenverkehr mehr als vierzig Euro berechnet werden. Bei jedem von uns. Auch wenn es Rollo Gebhard hier vor Jahrzehnten noch viel härter getroffen hat, bleibt es eine ärgerliche Sache.

Tag 2: Valtou-Bucht über Plataria bis Savia-Bucht

Unsere Nacht in der Valtou-Bucht verläuft sehr ruhig. Der nächste Tag beginnt mit einem ausgedehnten Frühstück, dann lädt das klare Wasser der Bucht zum Schwimmen ein. Am späten Vormittag legen wir einen Zwischenstop in Plataria ein und vervollständigen im empfehlenswerten „Proton Super Market“ unsere Lebensmittel. Im Supermarkt der Heimatmarina hatten wir nur spärlich eingekauft, da dort offenbar eine ähnliche Preispolitik wie bei der albanischen Telekom gilt. Im Hafen von Plataria lerne ich endlich auch das berühmte „italienische“ Festmachen mit Anker kennen – deutlich angenehmer als mit verschmutzten Mooringleinen zu hantieren. Einzige Voraussetzung ist ein Hafenbecken mit genügend Platz.

Abendstimmung

Am späten Nachmittag erreichen wir die Sivota-Inseln, unser Wunschziel für die Nacht. Sehr schön, aber auch sehr belegt von Charteryachten. Das war so nicht geplant… Erst ein gutes Stück weiter findet sich eine passende Bucht, die bei den zu erwartenden leichten Winden ideale Voraussetzungen für die Nacht bietet. Während vor dem Bug die enge Bucht auf einen Strand hin zuläuft, schwojt das Heck in Richtung offenes Meer. Ein perfektes Panorama für den Schlummertrunk!

Tag 3: Savia-Bucht bis Paxos

Am folgenden Tag verlassen wir die schützende Abdeckung von Korfu und segeln in Richtung Paxos. Eigentlich sollte uns nun etwas mehr Wind und Welle erwarten, doch das Gegenteil ist der Fall. Das Ionische Meer untermauert seinen Ruf als Altherren-Revier. Damit wir rechtzeitig ankommen, muss zwischenzeitlich sogar die Maschine gestartet werden. Die Jeanneau steuert auf die Bucht von Lakka zu, Masten über Masten ragen in den Himmel. Die beiden einsamen Nächte zuvor gefielen so gut, dass wir nach kurzer Beratung beschließen, Lakkas an Steuerbord liegen zu lassen und erneut nach einem ruhigen Ankergrund Ausschau zu halten. Dies gelingt noch ein ganzes Stück vor Gaios. Außer uns halten sich eine weitere Yacht, eine Handvoll kleinerer Motorboote und etwas weiter draußen ein hölzerner britischer Luxussegler in der nach Osten offenen Bucht auf.

Sonnenaufgang über dem Festland

Nachdem die Motorboote, welche die Bucht ohnehin nur zum Baden angesteuert haben, wieder verschwunden sind, entfernt sich bald auch die andere Yacht. Kurz nach sechs holt der britische Zweimaster seinen Anker hoch und lässt uns alleine zurück. Eine schöne Bucht, aber ist unser Plan eine gute Idee? Der Wind ist schwach und soll laut der App Windfinder bis zum nächsten Tag nur wenig auffrischen. Aber das Programm sagt auch, dass die Windrichtung im gleichen Zeitraum um 180 Grad dreht, morgens sei mit östlichem Wind zu rechnen. Wir bleiben, da als sichere Alternativen nur die vollen Häfen von Lakkas und Gaios zur Auswahl stehen. Die Ankerwache der kommenden Nacht sollten wir unbedingt ernst nehmen!

Tag 4: Paxos bis Petritis

Mit drehendem Wind baut sich in der Nacht Welle auf. Je später die Uhrzeit, desto unruhiger wird es in der Koje. Unsere zwischenzeitlichen Checks fallen positiv aus, der Anker hält sicher, aber die Schaukelei nervt mit jeder Stunde mehr. Als es hell genug ist, holen wir den Anker ein und stampfen unter Maschine aus der Bucht. Bequem wäre es nun, vor dem Wind Richtung Norden abzulaufen. Aber unsere Reiseroute sieht vor, Paxos zu umrunden, darum geht es in die entgegengesetzte Richtung. Der Wind bläst ordentlich, aber noch im grünen Bereich, Wirkung zeigen dagegen die kurzen Wellen, der Bug steigt und fällt wie ein Karussell. Wir machen einen Umweg durch den ruhigen Kanal von Gaios, hier liegen die Schiffe mit ihren noch verschlafenen Besatzungen dicht an dicht. Vor der südlichen Einfahrt ankern einige Skipper, die es nicht mehr in den Hafen geschafft haben, darunter auch die britische Holzyacht von gestern. Die Nacht dürfte dort an Bord ebenso unruhig wie bei uns gewesen zu sein.

Muntere Wellen am Morgen

Bald können wir in die Meerenge zwischen Paxos und Antipaxos einbiegen, mit Vorsegel und halbem Wind fährt es sich sofort ruhiger: Zeit für ein verspätetes Frühstück. Auf der Seeseite von Paxos herrscht ideales Segelwetter und wir machen endlich zügige Fahrt. Trotzdem gilt es eine Entscheidung zu treffen: Wegen des schwachen Winds an den Tagen zuvor liegen wir deutlich hinter unserem Zeitplan zurück, der die komplette Umrundung Korfus vorsieht. Zudem fällt die Wettervorhersage für die nächsten 24 Stunden unerfreulich aus, vom Festland kommend wird ein Gewitter angekündigt. Da die Seekarte an Korfus Westküste kaum geschützte Ankerbuchten ausweist, beschließen wir die Rückkehr in die besser ausgestatteten Gewässer zwischen Festland und Insel.

Hafen von Petritis

In der See zwischen Paxos und Korfu geraten wir erneut in das Wetter vom frühen Morgen, doch diesmal mit achterlichem Wind. Zeitweise zeigt der Geschwindigkeitsmesser mehr als sieben Knoten Fahrt an, so sportlich haben wir das Ionische Meer und auch unsere Jeanneau bislang nicht erlebt. Mit fortschreitender Dauer des Tages flaut der Wind aber wieder ab und das Kap Lefkimmi müssen wir bereits unter Maschine runden. Als über dem Festland nachmittags Blitze zu sehen sind, frischt der Wind ein klein wenig auf, so dass wir zumindest unter Segeln unseren Hafen für die Nacht ansteuern können – Petritis. Ein Fischerhafen mit winzigem Kai für gut 10 Yachten. Doch nicht nur deshalb liegen viele Boote draußen vor Anker. Das Hafenbecken ist eng und wird schnell sehr flach. Hier stellt Mitsegler Lutz seine Qualitäten unter Beweis, ich selber wäre wohl bei den Anderen draußen geblieben.

Tag 5: Petritis bis Valtou-Bucht

Die Windfinder-App kündigte es bereits abends in der Taverna an, am Folgetag dann die Gewissheit: Nach einem teilweise sportlichen Tag hat sich das Ionische Meer wieder zur Ruhe begeben. Gut, dass wir jetzt nicht auf der anderen Inselseite dümpeln, dass hätte unweigerlich einen kompletten Motortag bedeutet. Mit ein bis zwei Knoten schleichen wir in Richtung Festland. Am frühen Nachmittag dann komplette Flaute, 2/3 der Crew springen bei etwa 80 Meter Tiefe ins glasklare Meer. Ich nicht, ich passe aufs Boot auf. Und habe wohl zu früh in meiner Jugend den weißen Hai gesehen…

Da war noch ordentlich Zug auf der Kette…

Es wird mit dem Wind nicht besser, also Motor an und rüber zum Festland. Zu einem erneuten Besuch in der Valtou-Bucht, diesmal im hintersten Abschnitt. Es liegen hier bereits drei Boote, darunter ein Kat mit Landleine, genügend Platz für uns. Nach uns laufen noch weitere Boote ein, die näher am Zubringerkanal den Anker werfen. Der Wind scheint uns ärgern zu wollen, fehlte er auf dem Wasser, verstärkt er sich zum Abend hin. Fallwinde aus den nahelegenen albanischen Bergen? Der Kat-Skipper spaziert bereits früh zum Bug, studiert von dort das Wetter. Sein Boot kann schließlich nicht schwojen. Doch auch auf den anderen Yachten wird man munter. Der weißhaarige Käpt’n neben uns scheint alles richtig gemacht zu haben, eine kurze Kontrolle, dann verschwindet er wieder unter Deck. Doch unser Boot wandert immer weiter Richtung Land, das kann nicht nur die Streckung der Kette sein. Es folgen zwei, drei kleinere Rucks, okay, der Anker scheint sich zu bewegen. Kette hoch, eine neue Position deutlich weiter vom Nachbarn entfernt und noch einmal 10 Meter extra gesteckt. Die Kette spannt sich im Wind, doch der Anker hält nun. Eine weitere Yacht entfaltet ähnliche Aktivitäten, nur die Kat-Besatzung wirkt weiter unentschlossen. Es beginnt schon zu dunkeln, als der Katamaran endlich eine neue Position, diesmal ohne Landverbindung, beziehen will. Das Ganze scheint nicht ohne Stress abzulaufen. Der Skipper braucht mehrere Anläufe, bis das riesige Boote seine endgültige Position gefunden hat. Abschließend bleibt festzustellen, dass etwa 30 Minuten, nachdem sich alle auf eine unruhige Nacht eingestellt haben, der Wind vollkommen einschläft…

Tag 6: Valtou Bucht bis Marina Gouvia

Am nächsten Tag das übliche Prozedere – schwimmen, frühstücken, lossegeln. Der Wind frischt noch einmal auf, so dass wir einen ordentlichen Törn entlang der albanischen Küste hinlegen. Aber wir müssen rüber nach Gouvia, zwischen vier und fünf ist in der Marina die Abnahme unserer Yacht angesagt, leider kommt genau von dort der Wind. Kreuzend geht es mit etwa vier Knoten in die richtige Richtung, aber um halb drei ist abzusehen, dass wir es so nicht schaffen werden. Also Segel runter, Maschine an und ab nach Hause. Das Altherren-Revier bestätigt noch einmal seine friedliche Grundstimmung. Trotzdem: Efcharisto und auf Wiedersehen, es war eine tolle Woche!

Fazit

Im Spätsommer ist die Adria für sportlich-ambitionierte Segler nicht unbedingt die richtige Adresse, da macht das Ionische Meer keine Ausnahme. Aber das war auch nicht unser Ziel. Wir wollten segeln, schnacken, klönen und insgesamt den „lieben Gott einen guten Mann sein lassen“. Das lässt sich hier um die Jahreszeit ganz hervorragend verwirklichen. Kein Meltemi, der Stress verursacht und zahlreiche kleine Buchten, die es zu entdecken gilt. Weiter südlich soll es noch schöner sein, versicherte uns der Vercharterer bei der Abnahme, ein Ziel für eine unserer nächsten Touren!

Abschließend noch ein Wort zum Thema Versicherungen: In diesem Jahr wurde mir bereits vor dem Griechenland-Törn das Thema Kautionsversicherung nachdrücklich ins Bewusstsein gerückt. Meine beiden Mitsegler musste ich trotzdem erst noch überzeugen, dann haben wir für eine Kautionssumme von 2.000 Euro bei Schomaker 150 Euro hingelegt. Als wir im Hafen von Gouvia auf das Einchecken warteten, konnten wir bei einer anderen Crew miterleben, wie die gleiche Kautionssumme vor Ort für 500 Euro angeboten (und abgeschlossen) wurde. Wir haben unsere Yacht ohne Schaden wieder abgegeben, trotzdem war es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, im Schadensfall anteilig nicht mit über 650 Euro, sondern mit nur 50 Euro zur Kasse gebeten werden zu können. Da wir unterwegs feststellen mussten, dass das übernommene Boot kleinere Schäden hatte, wirkte die Versicherung durchaus beruhigend auf die Gemüter. Den Vercharterer kümmerten die über die Jahre angesammelten Macken bei der Abnahme überhaupt nicht. Ebenso zügig wie die Übergabe erfolgte die Abnahme. Auch das Abtauchen des Rumpfs war ruck-zuck erledigt. Trotzdem, auch beim nächsten Mal wieder mit Kautionsversicherung.

Rolf B.

Kreuz und quer durch das Ionische Meer (September 2019)
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Ein Gedanke zu „Kreuz und quer durch das Ionische Meer (September 2019)

  • 26. August 2020 um 11:24
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    Sehr schöner Bericht. Herzlichen Dank dafür. Peter

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