Segelyacht „Insane“ oder wenn einer, ach ne, jetzt glücklich zwei, eine Reise machen. Plus zwei Mopshündinnen.

Bericht über eine den meisten von uns wohlbekannte Yacht vom neuen Eigner, darin u.a. Gedanken über seine besondere Beziehung zu Schleusen…

Skipper: Oliver
Crew: Jessica und die Mopshündinnen Luna und Jette

Dienstag, 18. Mai im Jahr 2021

SY Insane am Steg
SY Insane am Steg

Nachdem einige kleine Umbauten und technische Updates doch länger gedauert haben, kann es endlich losgehen. Pünktlich, irgendwann vormittags, legen wir in Uelzen, im WSA Hafen ab. Also, wollen wir. Leider vergisst der Skipper, dass er jetzt nicht mehr allein fährt und verpasst erst mal der zukünftigen Vorschoterin das Kommando „Leinen los“ zu geben. Stattdessen fährt er einfach schon mal los. Dabei stellt er fest: „Gedanken lesen kann sie schon mal nicht“. Und sie denkt: „Hm, bisschen komisch hier. Leine noch fest und er fährt schon los.“

Der Bugkorb rettet dann Boot und Besatzung und fängt das Anbumsen der Spundwand sauber ab. Anschließend gibt der der Skipper die Info zum Leinen losmachen auch endlich verbal und verständlich für alle weiter. Geschafft! Wir fahren sauber aus dem Hafen und in den Kanal. Läuft doch, also, irgendwie. Die Hunde müssen sich erst mal auf dem Boot zurechtfinden und mit dem neuen zu Hause arrangieren. Nach ca. 4 ereignislosen Stunden erreichen wir gegen 15.30 Uhr, oder so ähnlich, das Schiffshebewerk in Scharnebeck. Wir müssen warten. Und warten. Die Hunde freuen sich. Können entspannt Gassi gehen. Während wir dann noch warten und warten und dürfen dann gegen 20.20 Uhr noch mit in die Kammer und fahren abwärts. Und dieses Mal ohne quer im Trog zu stehen. Steht jetzt für den Skipper bei 4 Schleusungen in Scharnebeck 2:2 mit gut gegangen und quer im Trog.

Im Unterwasser angekommen übernachten wir an der Spundwand für Sportboote.

Mittwoch, 19. Mai im Jahr 2021

Pünktlich morgens wie geplant, also mal wieder Vormittags, legen wir vor 11 Uhr ab und machen uns auf den Weg nach Geesthacht. Das klappt alles gut und gegen 12 werden wir nach nur ganz kurzer Wartezeit in Geesthacht geschleust und fahren gen Hamburg-Finkenwerder. Die Fahrt auf der Elbe ist schön und das Wetter spielt auch mit, meint: kein Regen. Wir fahren auf der Süderelbe Richtung Kattwykbrücke. Hm… gesperrt. Lass uns mal anrufen:

  • „Hier die Kattwykbrücke.“
  • „Hier Sportboot Insane. Sieht alles gesperrt aus bei Ihnen.“
  • „Ja, ist seit Monaten gesperrt mit täglich 3 Öffnungszeiten. Die nächste heute um 19 Uhr.“
  • „Oh, Mist. Da hab ich ja mal voll versemmelt als Skipper. Was können wir machen?“
  • „Süderelbe zurück und über Backbord in die Reiherstieg-Schleuse und dann den Reiherstieg runter. Die Schleuse anrufen und mit ‚Ellerholz Lock‘ kontaktieren.“
  • „Boah, ganz vielen Dank! Machen wir so.“
  • „Bitte, gern geschehen und gute Weiterfahrt.“

Selten hab ich mir selbst so eine Ohrfeige verpasst und war so schlecht vorbereitet. Das passiert mir nie wieder hab ich mir geschworen. Gesagt getan. Also ca. 40 Minuten gegen die Tide zur Reiherstieg-Schleuse, angerufen, geschleust worden (ohne Festmachen – geht ratz fatz) und den Reiherstieg Richtung Elbe runter. Gegenüber vom Altonaer Fischmarkt in die Elbe ohne die Berufsschifffahrt zu behindern… puuuuh. Gut.

Von da nur noch ca 5 km oder 40 Minuten bis nach Finkenwerder. Diese sollten es aber noch richtig in sich haben. Über Hamburg zieht ein Sturmtief und wir bekommen den Rand davon auf der Elbe ausgiebig zu spüren. Plötzlich bis ca. 1 Meter Wellen auf der Elbe. Ich stehe mit einer Hand an der Pinne und halte mit der anderen Hand zur Unterstützung den Mast fest. Boah, ist das ein Geschaukel und geeiere. Der gelgte Mast bewegt sich doch ganz schon mit vorwärts und rückwärts Bewegungen. Und dann noch ein Schlepper an Backbord, der, gefühlt, in Zeitlupe an uns vorbeifährt. Wir machen ihm deutlich wo wir hinwollen. Nach dem 2. Hinweis bestätigt er über seine Lautsprecher, dass er uns „auf dem Zettel“ hat. Fährt aber nicht schneller. Der Arsch. Wir quere dann hinter ihm über Backbord die Elbe und kommen unter Land und das Wasser beruhigt sich endlich. Puuuuuuuuuuuhhhhh, durchatmen! Alles gut gegangen. Aber, so etwas brauche ich definitiv nie wieder. Das nächste Mal wird der Mast an Deck festgetackert!

Jetzt noch schön langsam nach Finkenwerder zur Bootswerft Heuer. Da soll morgen der Mast gestellt werden. Alles entspannt. Wir finden einen schicken Platz. Leider gehört der nicht zu Heuer. Na gut, wieder ablegen und weitersuchen. Bei Heuer finden wir auch einen schicken Platz. Festmachen und erst mal gleich die Hunde an Land bringen. Die haben den ganzen Tag toll durchgehalten und müssen jetzt aber wirklich dringend. Bis hier hin haben wir es also schon mal geschafft. Abends bestellen wir bei einem Italiener und lassen was liefern. Das war echt leckeres Essen. Danach ist auch schon zufriedenes Schlafen für alle angesagt. War ein anstrengender und aufregender Tag.

Donnerstag, 20. Mai im Jahr 2021

Die hieß doch schon mal anders… 😉

Um 11 Uhr soll der Mast gestellt werden. Wir sind pünktlich unter dem Kran und haben alles vorbereitet. Es stellt sich heraus, dass ich zwei Bolzen verbaselt habe und das ein Bolzen nicht die passende Sicherung hat. Zum Glück ist auf dem Gelände ein Yacht-Shop, der noch genau 3 Bolzen inkl. passender Sicherungen in der Stärke hat. Reicht für mich. Der Mast steht und wir fahren zurück zu unserem Liegeplatz. Jetzt kommt das Unbekannte: Mast trimmen. Ich habe das noch
nie gemacht und null Gefühl, wie stramm die Wanten gespannt sein müssen. Erst mal anziehen und dann Leute fragen, die mehr Erfahrung haben. Die Unterstützung der Werft diesbezüglich war leider schlecht, da sie gar nicht stattfand. Obwohl ich diese vorab angefragt hatte. Der Mast steht aber.

Jetzt den Baum anbringen. Fotos vom letzten Jahr helfen, aber vieles ist auch selbsterklärend. Läuft! Läuft so gut, dass wir gleich das Großsegel einfädeln. Das Großsegel ist 4-fach gelattet. Wir haben alles am Start und Dank Jessicas Hilfe klappt das mit dem Latten einführen auch gut. Sie hat gleich erkannt wie die Latten einzuführen sind. Ich hätte dies übersehen, mich aufgeregt, geflucht und hin und her versucht bis es klappt. Das hätte, wie ich mich kenne, ewig gedauert. Nach dem das so gut funktioniert hat, hab ich auch noch die Genua hochgeholt. Jessica habe ich erst mal an den Mast geschickt, damit sie die Genua hochzieht. Aber nach den ersten Handgriffen kam der erwartete Protest.

Das wäre viel zu schwer. Ich hab sie dann angegrinst und gesagt, ich weiß. Aber jetzt ist die Genua eingefädelt und wir können die Plätze tauschen. Ich ziehe hoch und Du achtest bitte darauf, dass das Segel sauber einfädelt. Als Antwort kam der „böse Blick + ausgestreckte Zunge“. Beim Platz tauschen gab es aber trotzdem einen Kuss 🙂 Die Genua lief sauber hoch und da es windstill war, konnten wir sie gut aufwickeln. Später sind noch Segler vom Nachbarsteg gekommen und haben uns das Reffen noch einmal erklärt. Da die Wettervorhersage über Pfingsten sehr schlecht ist, haben wir beschlossen nach Pfingsten bei besserer Prognose weiterzuführen.

Donnerstag, 27.05.

Wir kommen tatsächlich pünktlich um halb sechs mit dem Hochwasser aus Finkenwerder weg und fahren gen Brunsbüttel. Auf der Elbe angekommen holt mich schnell die Tatsache ein, daß wir mit der Tide aber gegen Wind und Welle fahren. In einem Rutsch bis Brunsbüttel hat sich erledigt. Wir haben aber Plan „B“ in Petto und schaffen es pünktlich bis Glückstadt. Da warten wir auf das nächste Hochwasser. In Glückstadt schauen wir uns den Binnenhafen an und nehmen noch eine Auszeit. Pünktlich mit dem Nachmittagshochwasser verlassen wir Glückstadt und fahren die Reststrecke bis Brunsbüttel. Das letzte Mal hab ich Brunsbüttel mit dem Trossschiff Coburg passiert. Und das als Besatzungsmitglied und nicht als Skipper mit eigenem Segelboot. Vier Tonnen vor dem Wertebereich für Sportboote rufen wir die Schleuse an und bekommen die Info etwa 45 Minuten Wartezeit. Super… bisschen die Fahrt verlangsamen und dann noch ca. 15 Minuten im Wertebereich Kreise fahren.

Dann geht’s los. Schleusen Brunsbüttel! Wir fahren in die alte Schleuse. Hinter uns noch ein Segelboot. Mehr nicht. Eigentlich geht alles gut. Eigentlich… Beim wieder Aufsteigen auf das Boot hat sich die Auslöseleine der Schwimmweste unbemerkt von mir zwischen linker Hand und Reling geschmuggelt. Mit dem Ergebnis, dass in dem Moment, wo ich den Oberkörper aufrichten es ganz plötzlich laut knallt und zweimal zischt. Und dann stehe ich auch schon mit aufgeblasen Schwimmweste an Deck. Tolles gelb, aber wie bekomme ich die Luft wieder raus. Kurzes hektisches Suchen hilft nicht. Das ist nix. Also, Messer raus, zustechen, Weste abnehmen und das Boot wieder losmachen. Geht nämlich schon weiter. Zeit zum Lachen war trotzdem. Wir fahren anschließend entspannt in den Yachthafen Brunsbüttel, gleich links hinter den Schleusen und finden einen schönen Liegeplatz. Im 2. Anlauf klappt auch der Anleger. 🙂 Der freundliche Hafenmeister empfängt uns, gibt uns ein paar Tipps und wir gehen mit den Hunden an Land. Tatsächlich finden wir ein Lokal, wo wir drinnen essen können und freuen uns wie Bolle „richtig essen gehen zu können“. Und lecker war es auch noch. Gelungener runder Tag mit schönen Abschluss.

Freitag, 28.05.

Nach einem gemütliche Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Rendsburg. Den ursprünglichen Plan, an einem Tag durchzufahren haben wir verworfen. In Büdelsdorf soll es einen tollen Yachtclub geben und wir machen uns auf den Weg – Kiel canal oder zu deutsch: der Nord-Ostsee-Kanal erwartet uns. Die Kanalfahrt entwickelt sich recht unspektakulär und wir genießen das Wetter und die angenehme Fahrt. Zwischendurch wird es mal ein wenig spannend. Große „Pötte“ überholen uns,
kommen uns entgegen oder müssen manchmal anhalten um große „Pötte“ hinter uns, passieren lassen zu müssen. Zwischendurch testen wir den gebraucht gekauften Pinnenpiloten: Simrad TP32. Eine super Investition, wie sich herausgestellt. Das Gerät funktioniert wirklich gut und macht die Kanalfahrt auch für den Skipper richtig chillig. Wir fahren bis Rendsburg und biegen dann nach backbord in Richtung Büdelsdorfer Yachtclub ab. Dort werden wir von einem total freundlichem
Hafenmeister empfangen und begrüßt. Der Büdelsdorfer Yachtclub ist sehr zu empfehlen!!! Tolle Lage, super Sanitäranlagen und nur 10 Minuten bis zu einem riesen Edeka und Aldi. Wir beschließen eine Dönerbude zu überfallen und waren auch zufrieden damit. Danach geht es zurück an Bord und es wird eine ruhige Nacht.

Samstag, 29.05.

Da wir nur bis Laboe heute wollen, frühstücken wir ganz entspannt an Bord und machen uns dann auf den Weg nach Kiel Holtenau. Die Fahrt dorthin ist ruhig und ereignislos. Vor der Schleuse ist ein großes Sportboottreffen. Über unser Funkgerät melden wir uns an der Schleuse an und erfahren, dass wir warten sollen. Wir haben Glück und können an einem der wartenden Boote festmachen. Nach ca. einer halben Stunde kommt die Durchsage: „So, die Sportboote jetzt aber mal Huschi Buschi schnell alle in die Nordschleuse. Wir haben hier auch noch echte Schifffahrt“.

Alle Sportboote schmeißen sofort die Maschinen an oder geben gleich Gas und wir fahren in die Schleuse. Bis auf ein Segelboot können auch alle anlegen. Nur diese „Insane“ macht noch mal in der Schleuse eine 180 Grad Drehung… Wind von hinten drückt das Boot zu schnell rum… Das Boot vor uns hat freundlicherweise mitgeholfen. Noch mal gut gegangen. Wir drehen noch mal ein Runde in der Schleusenkammer und fahren dann in die richtige Richtung aus der Schleuse in die Kieler Förde.

Endlich mal richtiges Wasser. Kein Fluss oder Kanal. Nein, richtig Ostsee mit markiertem Fahrwasser und allem was so dazugehört. Entspannt fahren wir unter Maschine Richtung Laboe und machen in der Marina Baltic Bay fest. Bei der Suche nach einem Liegeplatz stelle ich mit „großer Freude“ fest, was für ein Biest unsere „Insane“ doch beim Rückwärtsfahren ist: zack, haut mich doch die Pinne im Cockpit, ohne zu fragen, einfach mal um. War zum Glück nicht in einer kritischen Situation. Aber ich hab mich doch ganz schön erschrocken. Da werde ich in Zukunft mehr drauf achten. Am Ende geht alles gut und wir haben einen guten Liegeplatz an einem Steg gefunden. Auch diese Anlage ist zu
empfehlen. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag in Laboe an der Promenade und essen im italienischen Restaurant in der Marina. Wir freuen uns auf Sonntag und die Überfahrt nach Heiligenhafen.

Sonntag, 30.05.

Wir stehen pünktlich um 07.00 Uhr auf, um gegen 08.00 Uhr Richtung Heiligenhafen loszufahren. Und dann das: N E B E L …. Gegen 11.00 Uhr erste Gespräche mit zu Hause, ob wir evtl. abgeholt werden können. Um 12.00 Uhr entscheide ich, dass wir heute nicht mehr nach Heiligenhafen fahren. Erst gegen 12.30 Uhr fängt es an aufzuklaren. Nach Rücksprache mit dem Hafenmeister ist unser Liegeplatz für die nächste Woche noch frei – puuuuhhh, Glück gehabt. Wir werden gegen 15.00 Uhr
abgeholt und fahren am nächsten Wochenende erst weiter nach Heiligenhafen.

Sonntag, 06.06.

Wir stehen pünktlich um 07.00 Uhr auf um gegen 09.00 Uhr Richtung Heiligenhafen loszufahren. Und dann das: F L A U T E …. Kein Windhauch. Nix, nada null Wind. Also, Maschine pünktlich um 09.00 Uhr angeworfen, abgelegt und dann bis nach Heiligenhafen mit Motor gefahren. Gegen 17.00 Uhr sind wir in Ortmühle angekommen und waren um 17.20 Uhr fest.

Montag, 07.06. bis Anfang August war ich dann krank. Ich habe mir Bakterien eingefangen, war für eine Woche im Krankenhaus und mein Immunsystem hat meine Füße angegriffen. In der 2. Augustwoche war ich dann das erste mal wieder auf dem Boot und konnte tatsächlich für einen Nachmittag rausfahren und Segeln üben. Heute am 25.08. August habe ich schon einen Termin für das Mastlegen am 30.09. gemacht. Die „Insane“ benötigt neue Wanten und eine neue Dirk wird es auch geben. Wir hoffen einfach mal auf das nächste Jahr, das wir für dieses Jahr nicht mehr viel erwarten.

Segelyacht „Insane“ oder wenn einer, ach ne, jetzt glücklich zwei, eine Reise machen. Plus zwei Mopshündinnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.